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Transalp 2008

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Saison-Highlight 2008 war zweifelsfrei die hauptsächlich von Achim und Dirk, akribisch geplante Alpenüberquerung .

Die Route sollte uns von Garmisch aus, über diverse Passstrassen bis hin zum Gardasee in Italien führen. Um den Trip so preiswert wie möglich zu gestalten entschlossen wir uns, für die eine Woche einen Kleinbus anzumieten. Das bedeutete zwar, dass jeder an einem Tag das Auto zum nächsten Standort fahren musste, dadurch konnten wir uns aber den nicht ganz preiswerten Gepäcktransportservice sparen.

Wer in den Alpen unterwegs ist, muss mit jeder Wetterlage rechnen und sollte möglichst darauf eingestellt sein! Was also mitnehmen auf den jeweiligen Tagesetappen? Diese Frage mussten wir uns Dank gutem Wetter nicht allzu häufig stellen.


Tag 0 - Anreise und Ankunft in Garmisch

Die Autofahrt ins 700km entfernte Garmisch-Patenkirchen verlief einigermaßen flüssig und nur wegen einem winzigen Kommunikationsproblem zwischen Fahrer und Navi, nahmen wir einen kleinen Umweg von 60km. Nachdem wir das Gepäck in unseren Zimmern verstaut hatten, starteten wir zu einem Spaziergang in die Innenstadt. Dort aßen wir vor dem eigentlichen Abendessen noch ein Eis und schauten uns den alten Stadtkern an. Nach deftigem Abendessen, zum all-u-can-eat Tarif, direkt neben unserer bescheidenen Pension, tranken wir noch ein gemeinsames Bier auf unserem Zimmer. 

 


Tag1 - Garmisch -> Landeck (100km / 1300hm)

Für Simon und mich begann der Trip mit der Autofahrt nach Landeck, da wir genau wie am Folgetag den Shuttlebus zum nächsten Standort bringen mussten. Achim, Björn, Marc und Reiner durften direkt losradeln. In Landeck angekommen erfreuten wir uns an den

Lautsprecherdurchsagen, da zufällig an diesem sonnigen Sonntag ein Radrennen in der Region stattfand. Nachdem wir das Gepäck der Gruppe in Sicherheit gebracht hatten, machten wir die Räder startklar und fuhren erst einmal bergab in Richtung Inn.
Ich werde mich noch lange in die ersten Kilometer in diesem Urlaub erinnern, da Simon und mich, während wir entlang der malerischen Landschaft im Inntal rollten, ein Glücksgefühl überkam und wir laut zu jubeln begannen. Wir fuhren im zügigen Tempo der Gruppe entgegen, die wir nach ca. 50km Treffen sollten.

Als nächstes stand dann ein knackiger Pass (Pillerhöhe) zum Aussichtspunkt "Gacher Blick" auf dem Programm, der schon Anstiege bis 9% bereithielt und einigen zum ersten Mal die "Luft wegblieb". Der Kraftakt wurde bedingt durch die klirrende Hitze die vom schwarzen Asphalt aufstieg nur unwesendlich erschwert. Der gigantische Ausblick aufs Inntal belohnte allerdings dann alle Anstrengung. Nun ging es nur noch bergab zurück nach Landeck.

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Highlights:

-Inntal
-Gacher Blick





Tag2 - Landeck -> Trafoi (80km / 1300hm)

Start Tag 2 bedeutete erst einmal wieder das Auto loswerden. Dieses mal zog sich die Fahrt, da der Reschenpass heftig frequentiert wurde und zu allem Überfluss ein paar große LKWs im Schneckentempo die Strasse hochfuhren. Bei Resia (Reschen) passierten wir die Italienische Grenze und schossen aus dem Auto heraus das Bild des Tages.

Heute parkten wir den Wagen, nachdem wir zuvor im 500m höher gelegenen Hotel Tannenheim die Taschen verstaut hatten, am Bergfuß des Stilfserjochs (in Prato), da die Wetterprognose nicht sooo berauschend war und wir die Option offen halten wollten, aufs Auto umzusteigen.

Dann ging es aber schon rasch los, Simon und ich fuhren im Eiltempo der Gruppe entgegen. Die Strecke, ein zu 98% gut asphaltierter, ca. 2m breiter Rad-/fußweg, führte uns ca.45km bis zum auf 1400m ü.NN gelegenen Reschensee hinauf. Nach kurzer Pause kamen dann auch die Gruppe aus der anderen Richtung, sie waren auf einem Radweg, parallel zum Reschenpass angereist und hatten schon die Norberthöhe in den Beinen.

Nach kurzem Imbiss fuhren wir dann die bereits vom Hinweg bekannte Strecke zurück zum Versorgungsfahrzeug. Marc, ließ sich im örtlichen Radladen noch schnell ein 28er-Ritzel montieren, da ihm das 25er auf Dauer zuviel Kraft kosten würde, so seine Sorge. Reiner

übernahm es freundlicherweise den Wagen hoch zum Hotel zu fahren und gab mir damit die Gelegenheit hinaufzuradeln, zum legendären Tannenheim. Abends schauten wir uns dann im kleinen Dörfchen um und besichtigten schon mal die nächsten zwei Kehren, die wir am Folgetag unter die Räder nehmen wollten.

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Highlights:

-Reschensee
-Prato
-Kehre 46 bei Nacht



Tag3 - Trafoi -> Levigno (75km / 2300hm)

Wie der Vortag geendet hatte, so sollte es am heutigen Morgen weitergehen, bergauf. Wir befanden uns auf 800m, mitten auf dem Pass zum Stilfserjoch, dessen Passhöhe auf 2780 Metern liegt. Unter diesen Bedingungen waren die ersten Kilometer nicht gerade mit Freude verbunden. Nach 10 Minuten "Warmfahren" setzte ich mich dann von der Gruppe ab und ließ meinem Puls freien Lauf. Zu diesem Zeitpunkt lagen noch 44 Kehren vor mir. Es zog sich ganz schön bis Kehre 30 und der etwas steilere Anstieg von 8-10% lag noch vor mir. Nach einigen harten Kilometern fühlte ich mich einigermaßen sicher, da ich Björn und Simon, die um Platz zwei und drei "kämpften" nicht mehr sah.
Immer wieder phänomenale Ausblicke auf die felsige, kahle Landschaft des Umlandes. Auf den gegenüberliegenden über 3000Metern hohen Berggipfeln lag Schnee. Obwohl wir recht früh dran waren, begegneten uns viele andere Radfahrer, Motorradfahrer sowie PKWs und Reisebusse. Nach knapp 80 Minuten war ich oben, von Tannenheim wohlbemerkt.

Nachdem die Gruppe sich wieder zusammengefunden hatte, ging es für Reiner zurück zum Hotel, dass Auto holen und der Rest fuhr in Richtung Umbrailpass.


Dummerweise erwischten Marc, Simon und ich nicht die richtige Abfahrt

und schossen überflüssigerweise 6km in Richtung Bormio hinunter. Nach kurzem Stop um den gigantischen Ausblick aufs Tal zu genießen, drehten wir um und fuhren wieder bergauf. Die Stimmung war nicht gerade sehr gut in dieser Situation. Aber davon lässt sich natürlich niemand den Tag versauen. Am Umbrailpass angekommen fuhren wir diesen nun Bergab um unten auf Björn und Achim zu treffen, die sich die Wartezeit mit einem Cappuccino versüßt hatten. Die Abfahrt hinunter ins Tal, bestand aus Schotter und losem Gestein. Sehr spannend und vorallem schmerzhaft für Finger und Unterarme. Ich glaube solange habe ich nie zuvor am Stück gebremst. Nun stand noch der Ofenpass auf dem Fahrplan, nach dessen Abfahrt wir vor dem Tunnel nach Levigno notgedrungener Massen auf das Auto umsteigen mussten. Der Levigno-Tunnel ist seit diesem Jahr für Radfahrer gesperrt.

Nachdem Räder und Gepäck sicher verschlossen waren machten wir uns auf den Weg, den renommierten Wintersportort Levigno zu erkunden.
Neben vielen Schmuck-, Ski- und Spirituosenläden gab es hier auch einige Radsport-geschäfte.

Letzteres kam mir nicht ungelegen, da ich nach einer neuen Radhose Ausschau hielt. Nachdem wir uns zum Shoppen in Gruppen aufgeteilt hatten, trafen wir uns zum gemein-samen Abendessen in einer Pizzeria. Auf dem Rückweg ins Hotel fiel stach ein Haus ganz besonders zwischen den vielen alten Gebäuden hervor. 

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Highlights:
-Stilfserjoch
-Ofenpass
-Levigno




Tag4 - Levigno -> Dimaro (120km / 2550hm)

Der Morgen von Tag vier begann wie immer mit einem ausgedehntem Frühstück. Der Unterschied zu den Vortagen war das sehr reichhaltige Buffet und dass uns die Heissgetränke wie Kaffee und Cappuccino frisch zubereitet an den Tisch gebracht wurden. Im Anschluss daran packten wir, wie immer rasch unsere Sachen zusammen und versammelten uns Zwecks Abfahrt vor dem Hotel, wo wir noch das links sichtbare, sehr schöne Gruppenfoto machten.

Es war ein kühler, aber sonniger Morgen. Heute lag das transferieren des Begleitfahrzeuges in Marcs Verantwortung. Laut Roadbook lagen heute vier Pässe vor uns: Passo d´Eira, Passo Foscagno, Passo Gavia und der Passo Tonale. Auch auf dieser Tagesetappe lies der erste

Anstieg, hoch zum Eira, nicht lange auf sich warten. Und auch dauerte es nicht lange, bis Simon zur ersten Attacke ansetzte und dafür sorgte, dass mein Puls sich schnell jenseits der 170er Marke, beim Gegenangriff auf den letzten Metern dann sogar auf über 180bpm befand.

Auf der folgenden Abfahrt konnte sich Simon dann, bedingt durch ein riskantes Überholmanöver vorbei an einem Wohnmobil, absetzen und erreichte die nächste Passhöhe ( Passo Foscagno ) vor allen anderen. Hier befand sich dann auch die Grenze zu Italien, die wir nach kurzem Fotoshooting passierten und mit Vollgas, bergab in Richtung Bormio schossen.

Nach kurzer Pause und Flüssigkeitszufuhr in Form von kalter Apfelschorle, machten wir uns auf den Weg in Richtung Gaviapass. Es war Mittag und die Sonne heizte den schwarzen Asphalt auf. Der Gavia, so kann ich im Nachhinein sagen, war der längste, schönste und anstrengenste Pass des Transalpins. Neben den gigantischen Ausblicken, war dort verkehrstechnisch relativ wenig los.

Nach der langen Abfahrt ins Tal, stand uns noch ein Pass an diesem Tag bevor, der Passo Tonale. Auch hier wollte Simon es noch mal wissen und begann recht früh zu attackieren. So radelten wir gemeinsam in Richtung Passhöhe. Es war ein langer, harter "Kampf", der

im Sprint auf den letzten 600 Metern endete. Oben angekommen, schlenderten wir noch schnell über den Trödelmarkt, bevor sich die Gruppe gemeinsam, die letzten 25km bergab in Richtung Dimaro aufmachte. Kurz nach unserer Ankunft begann es heftig zu regnen. In Dimaro nächtigten wir in einem auf Radfahrer spezialisierten Hotel, welches durch Massenabfertigung der Gäste glänzen konnte. An diesem Abend wurde in der Stadt ein Dauerlauf veranstaltet und es waren eine Menge Leute unterwegs.

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Highlights:
-Passo d´Eira
-Passo Fuscagno
-Bormio
-Passo di Gavia und Passo Tornale



Tag5 - Dimaro -> Torbole (Gardasee) (105km / 2200hm)

Oh mein Gott, dachte ich schon während des Wachwerdens. Meine Beine bedanken sich in Form von eines ziehenden Schmerzes, für die Sprinteinlagen des Vortages. Ich fühlte mich schwach, als wir auch diesem Tag wieder mit einem ordentlichen Anstieg, heute hinauf zum Campo Carlo Magno, starteten. Im Gegensatz zu den Vortagen, lies ich heute die Gruppe ziehen und fuhr ganz entspannt, was ich an Anstiegen des bisherigen Tourverlaufs noch nicht getan hatte. Der Ausblick auf die umliegende Landschaft wurde drastisch durch den starken Verkehr geschmälert.

Dennoch genoss ich die Ruhe und den fehlenden Druck durch das Verfolgerfeld. Ein bisschen sickig war ich zugegebenermaßen schon, aber letztendlich war es wohl das Beste diesen Tag etwas entspannter anzugehen.

Der weitere Verlauf der Route führte uns durch den bekannten Skiort Madonna di Campiglio der einen fantastischem Ausblick auf die umliegenden Berge garantierte.

Angekommen im Tal, fuhren wir nun bei Sonnenschein und guter Laune ersteinmal fern ab der Strasse, einen gut asphaltierten Radweg entlang eines Flusses. Nach ca. 25km stand der steilste Anstieg des Tages, hinauf zum Passo Daone bevor. Dieser Anstieg hatte es mit durchschnittlich 8,8% Steigung auf guten 7km, sowie den dicken Beinen vom Vortag wirklich in sich. Umso glücklichere Gesichter als wir endlich oben waren.

Nach kurzer Rast im Gasthof auf der Passhöhe, genossen wir die Abfahrt auf guten Straßenverhältnissen umso mehr. Nun war es nicht mehr weit bis zum Ziel der Reise. Nur noch ein erwehnenswerter Pass lag vor uns, der Passo Duron. Als wir den Fuß des Berges erreichten, zeigte das digitale Thermometer wieder über 30 Grad C° an. Der Asphalt der Strasse schien sich aufzuweichen und es stieg eine quälende Hitze von

unten auf. Am Wendepunkt des Durons war ein kleiner Rastplatz angelegt und nach dem üblichen Foto mit Passbild im Hintergrund legten wir uns im Gras nieder während wir auf den Rest der Gruppe warteten.

Am Fuße des Durons trafen wir dann auch Björn, der den Wagen schon zum Hotel gefahren hatte und der Gruppe entgegengeradelt war. Nun ging für die letzten 30km fast nur noch bergab bis zum Reiseziel Lago di Garda. Lediglich der Passo Ballino hielt noch einmal einen kurzen Gegenanstieg für uns bereit. Danach ging es noch durch ein paar kleine Städtchen, bis wir den See erreichten. Auf der Abfahrt zum Gardasee wurden wir mit phänomenalen Ausblicken auf die Region für die Anstrengungen der Vortage belohnt. Nachdem wir uns durch das hohe Verkehrsaufkommen der Rushhour gekämpft hatten kamen wir glücklich, zufrieden und trocken am Hotel in Torbole an. Dort verstauten wir erst einmal die Räder, dann das Gepäck, gingen duschen, uns umziehen und brachen zur Stadt- /

Seebesichtigung auf. Zu fortgeschrittener Stunde Folge dann das Rituale des Speisens und der Flüssigkeitszunahme.

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Highlights:
-Passo Campo Carlo Magno
-Passo Daone
-Passo Duron
-Riva di Garda



Tag6 - Ausflug zum Monte Velo (44km / 1100hm)

Unser letzter Urlaubstag begann, wie die Tage zuvor, mit Sonnenschein und einem guten Frühstück im Hotel. Bevor wir uns auf den Weg zum Monte Velo machten, luden wir noch ein paar Fotos hoch ins Netz, damit die Hinterbliebenen sich schon mal ein Bild der Lage machen konnten.
Die Strecke verlief erstmal wieder über einen schönen Radweg durch die Region, mit Ausblick auf die umliegenden Berge. Nach kurzer Orientierungshilfe mittels Karte, fanden wir recht schnell die Auffahrt zum Monte Velo. Der Anstieg, mit teilweise über 12% forderte noch einmal richtig Kraft. Gemeinsam mit Simon erreichte ich die Bergspitze. Oben angekommen rasteten wir kurz, bevor es mit Vollgas wieder bergab zurück zum Gardasee ging. Leider regnete es auf den letzten Kilometern kurzzeitig, was die Räder vollkommen verschmutzte.

Nach kurzem reinigen der Räder, sowie Duschen, Umziehen usw. verbrachten wir den Rest des Tages, wieder am See und in der Stadt. Während des gemeinsamen Abendessens beschlossen wir, den Wagen noch zu packen und am kommenden Morgen um 4:00 Uhr gen Heimat zu starten.

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Highlights:
-Monte Velo




Tag 7- Rückreise

Wir machten uns also früh am Morgen, um 4:00 Uhr auf den Weg in Richtung Heimat. Bis München kamen wir Staufrei durch, doch dann ging erstmal nichts mehr. Wir standen in einigen Staus und haben ein paar spektakuläre Unfälle gesehen. Es war heiss und viele Autofahrer mit gelben Nummernschild und Wohnwagen waren unterwegs. Heilfroh waren wir, als wir unversehrt nach zwölf Stunden im Auto wieder daheim waren. Die Tour war absolut genial und für 2009 ist eine weitere Alpenüberquerung in Planung. 



 

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